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Evangelisches Kreuzgymnasium

Darstellendes Spiel

Das Darstellende Spiel schaut inzwischen auf eine über 25-jährige Geschichte an der Kreuzschule zurück. Einen ausführlichen Artikel von unserem Fachschaftsleiter Dr. Kornél Magvas darüber können sie hier lese.

Hier zunächst der gegenwärtige Stand:

Klasse 5-7 AG Theater im Rahmen des Ganztagsangebots, Leitung: Theaterpädagoge Ben Graul

Klasse 8: Vorstellen des Künstlerischen Profils in Trimestern: Musik, Bildende Kunst, Darstellendes Spiel, danach entscheiden sich die Schüler, welchen Zweig des Profils sie wählen.

Klasse: 9 und 10: Darstellendes Spiel, zweistündig, meist mit öffentlicher Präsentation

Jahrgang 11 und 12: Wahlgrundkurs Darstellendes Spiel mit Präsentationen

Aktuelle Lehrkräfte:

Saskia Winkel

Dr. Kornél Magvas

Hendrik Felber

Detlev Körner

Robert Rothmann

Ben Graul (Honorarkraft GTA)

Teilnahme an Wettbewerben und Festivals:

2018 Sächische Schultheatertage Chemnitz: DS 9, Leitung Robert Rothmann, „Wer nichts zu verbergen hat…“

2018 Schultheater der Länder: DS 9, Leitung Robert Rothmann, „Wer nichts zu verbergen hat…“

 

 

 

 

 

 

 

Szenenfoto „Karl Valentin. Eine Revue“ (2009/10, GK DS Jg. 12, Leitung: U. Christof)

 

25 Jahre Theaterarbeit an der Kreuzschule Dresden. Eine kleine Geschichte des Schulfaches Darstellendes Spiel

Dem Ansinnen, das 25-jährige Bestehen des Schulfaches Darstellendes Spiel als Jubilä- um zu feiern, wird man zunächst mit Befremden begegnen und es vielleicht als anma- ßend empfinden. Natürlich, die Gründung von Institutionen oder Geburts- und Todes- jahre von berühmten Persönlichkeiten bieten in entsprechender Rundung immer wie- der einen willkommenen Anlass zum Innehalten und Erinnern. Die letztjährige 800-Jahr- Feier von Kreuzkirche, Kreuzschule und Kreuzchor hat – trotz aller historischen Unge- nauigkeit – mit zahlreichen Veranstaltungen in und außerhalb der institutionellen Mau- ern ihre identitätsstiftende Funktion erfüllt. Aber ein einzelnes Schulfach? Was ist dann mit Mathe? Mit Englisch? Mit Geschichte?

Vielleicht verhält es sich mit dem Darstellenden Spiel doch etwas anders. Nur wenige Fächer haben das Glück, mit ihren spezifischen Darbietungsformen nachdrück- lich in die gesamte Schulgemeinschaft hinein und aus der Schulgemeinschaft in die Öf- fentlichkeit hinaus zu wirken wie das Darstellende Spiel. Nur wenige Fächer bieten – vielfach beneidet – die Möglichkeit, die Schüler intensiver und mit anderen Facetten ihrer Persönlichkeit kennenzulernen, als es im 45-Minuten-Takt einer Unterrichtsstunde möglich ist. Etwas weniger beneidet wird der hohe Arbeitsaufwand für alle Beteiligten, ohne den anspruchsvolles Schultheater aber nun einmal nicht zu haben ist.

Sich mit dem Darstellenden Spiel zu befassen kann instruktiv sein, weil die Einführung als Schulfach an der Kreuzschule und im Osten Deutschlands im Zusammen- hang mit der größten nationalen politischen und gesellschaftlichen Veränderung seit dem Ende des zweiten Weltkrieges steht. Die eingehende Betrachtung anhand eines einzelnen Schulbeispiels erheischt auch deshalb bildungspolitisches Interesse, weil das Fach bundesweit immer noch nicht in gleichem Maße und in vergleichbarer Qualität installiert ist. Aufgrund der unterschiedlichen Historie einzelner Bundesländern inner- halb eines föderalen Schulsystems gibt es keinen länderübergreifenden Konsens über Unterrichtsangebote in den Stundentafeln aller Schulformen, Lehrpläne und Rahmen- richtlinien,  institutionalisierte  Lehreraus-,  fort-  und  weiterbildung,  fachkompetente Referate in der Schulverwaltung, eine ausreichende Ausstattung der Schulen mit Fach- räumen und fachgerechter Technik, eine Fachschaft, die in Form eines Verbandes fach- liche Interessen gegenüber der  Politik, der  Administration, Elternschaft, Presse und außerschulischer Öffentlichkeit vertritt. Obgleich in den letzten Jahren gerade auch in Sachsen Fortschritte erzielt wurden, erfüllen viele Bundesländer nur einen Teil der ge- nannten Bedingungen. Manche Länder wie beispielsweise Hamburg oder auch Bayern

sind demgegenüber im Fachwerdungsprozess relativ weit fortgeschritten.

 

Darstellendes Spiel – Die ersten 90 Jahre

Hält man sich die Entwicklung des Schultheaters vor Augen, genügt es nicht, mit der Betrachtung im Jahr 1991 – dem Jahr des Inkrafttretens eines neuen Schulgesetztes für Sachsen – zu beginnen. Wenngleich die allgemeine Theatergeschichte szenische Auffüh- rungen durch Schüler im Schulrahmen seit dem Barock kennt (gemeint sind lateinspra- chige Schuldramen vor allem durch die Jesuiten), fußt unsere heutige Entwicklung doch in erster Linie auf den Anfängen in der Zeit um 1900, in der sich reformpädagogische Ideen Bahn brachen. Im Zentrum des Interesses standen schon bei den Urvätern des Faches die Ausdrucksfähigkeit und der Gestaltungstrieb des (jungen) Menschen inner- halb  des  schulischen  Kontexts.  Bemerkenswert  ist,  dass  nach  1900  besonders  die Volksschullehrer von leidenschaftlicher Lust auf das Neue gepackt wurden, während Gymnasiallehrer im Allgemeinen skeptischer, misstrauischer, konventioneller eingestellt waren. Das Schultheater in der Weimarer Republik bemühte sich um eine doppelte Abgrenzung, nämlich der vom Drama im Literaturunterricht und vom Dilettantismus der Nachahmung des professionellen Theaters. In der Zeit der nationalsozialistischen Dikta- tur stagnierte das Darstellende Spiel – materieller und ideeller Verlust musste auch hier beklagt werden.

Die Nachkriegsjahre waren von der Besinnung auf das Vorkriegs-Erbe geprägt. Die Teilung in zwei deutsche Staaten lenkte auch die Bildungspolitik in zwei Richtungen. Während   in   der   DDR   insgesamt   das   Gewicht   eher   auf   der   mathematisch- naturwissenschaftlichen Bildung lag („Polytechnische Oberschule“, seit 1959) und das Schultheaterspiel nur vereinzelt mittels individuellen Engagements, meistens aber gar nicht vorkam, setzte in der BRD die Bildungsreform in den 1960er und 1970er Jahren eine starke Zäsur auch für das Darstellende Spiel. So wurde 1977  in Hamburg ein „Er- gänzungsplan Musisch-Kulturelle Bildung“ eingeführt, in welchem ebenso das dramati- sche Gestalten verankert war. Eine große Ausstrahlung in die Schule und Öffentlichkeit entfaltete der 1980 erstmals vom damaligen Bundesministerium für Bildung und Wis- senschaft ausgelobte Wettbewerb „Theatertreffen der Jugend“, bei dem Produktionen mit Jugendlichen aus Schulen, Theater-AG‘s und freien Gruppen gezeigt wurden und werden (2017 findet es in Berlin zum 38. Mal statt). Um den Fokus noch mehr auf die Theaterarbeit in der Schule zu richten, entschloss sich die Stadt Hamburg gemeinsam mit der Körber-Stiftung das Festival „Schultheater der Länder“ zu entwickeln, welches

1985 in der Hansestadt zum ersten Mal ausgerichtet wurde und seit der Friedlichen Revolution auch regelmäßig in den neuen Bundesländern gastiert.

 

Die Anfänge des Fachunterrichts an der Kreuzschule unter Stephan Noth

Mit der politischen Wende im Herbst 1989 ging in den Folgejahren auch eine Verände- rung der Bildungslandschaft einher, die einerseits mit Irritation und Unsicherheit, vor allem aber mit dem Gefühl des Aufbruchs und Neuanfangs verbunden war. Dieses Ge- fühl brach sich auch an der Kreuzschule Dresden Bahn, als im März 1991 Stephan Noth, ehemaliger Kruzianer und erfahrener Lehrer in Lübeck, das Amt des Schulleiters antrat. Von Anfang an ging es ihm um das Entfalten des künstlerischen und kreativen Potentials eines jeden Schülers, auch weil Noth die Künste liebte und als Germanistik-Student selbst Theater gespielt hatte (u.a. J. Tardieus „Die Sonate und die drei Herren oder Wie spricht man Musik“). Er ergriff die Chance bei der notwendigen Veränderung in der Zusammensetzung des Lehrkörpers und motivierte jüngere, bereits an der Schule tätige, gewann aber vor allem zahlreiche neue Lehrer für die Schule, die mit Musik, Kunst, Deutsch und Darstellendem Spiel den bis heute prägenden künstlerischen Charakter der Schule begründen halfen.

Nachdem am 3. Juli 1991 das neue Schulgesetz für den Freistaat Sachsen in Kraft getreten war, konnte in künstlerischer Hinsicht mit der Gründung des Kreuzschul- orchesters im September 1991 durch die Instrumentallehrerin Rosi Böhm und den Mu- siklehrer Günther Keucher ein erstes wichtiges Signal gesetzt werden. War in diesem Schuljahr 1991/92 das Darstellende Spiel auch noch nicht institutionalisiert, wurde mit Deutsch- und Geschichtslehrerin Kathrin Weichelt (heute: Kathrin Furmanek) eine thea- teraffine und experimentierfreudige Persönlichkeit engagiert, die den Deutschunterricht der Oberstufe mit ersten szenischen Unterrichtseinheiten bereicherte und sich parallel dazu durch die theaterpädagogische Abteilung des Kinder- und Jugendtheaters „Junge Generation“ Dresden (TJG) weiterbilden ließ.

Aufgrund der musikalischen Tradition der Kreuzschule – zum einen der Kreuz- chor, zum anderen der in der DDR-Zeit aufgebaute Schulchor – wurden ab 1992/93 die ersten Klassen im musischen Profil eingerichtet, die nach einem „Erprobungsplan für den Vertiefungsbereich an Gymnasien mit vertiefter musischer Ausbildung“ arbeiteten. So wies der Stundenplan der Klassen 8/1 und 9/1 jeweils eine zusätzliche Profilstunde Kunst und Musik auf. Das Darstellende Spiel gehörte noch nicht zum Profil, sondern war nach Mut machenden Anfängen als Arbeitsgemeinschaft organisiert. Die erste AG Dar- stellendes Spiel mit zwölf weiblichen und zwei männlichen Spielern aus den damaligen Klassen 7/3, 8/2 und 8/3 sowie 9/2 wurde von Weichelt geleitet. Zu einem frühen Höhepunkt gelangte die Schultheaterarbeit anlässlich der ersten Projektwoche an der Kreuzschule vom 5. bis 9. Juli 1993. Am Montag, dem 12. Juli 1993, wurden u.a. auch Theateraufführungen präsentiert. Neben Puppentheater und kleinen Spielszenen aus

dem Lateinunterricht zeigte die um einige Schüler erweiterte AG Darstellendes Spiel im Großen Probensaal des Kreuzchores „Die Grüne Gans“, einen Szenenreigen von K. I. Gałczyński. Bei diesem Projekt arbeitete erstmals auch Kornél Magvas mit, der seit Be- ginn des Schuljahres sein Referendariat für Deutsch und Musik an der Kreuzschule ab- solvierte. Stephan Noths Deutschklasse der Oberstufe stellte im ehemaligen Raum 116 (heute 235) H. von Hofmannsthals Versdrama „Der Tor und der Tod“ vor, das ein Schü- ler der Klasse einstudiert hatte.

Zeitgleich zu dem sich entwickelnden Unterrichtskonzept förderte Schulleiter Noth auf großzügige Weise die Fortbildung der im Spiel tätigen Kollegen. Von den mit regem Interesse wahrgenommenen Veranstaltungen, die die Sächsische Akademie für Lehrerfortbildung (SALF) und das TJG durchführten, sei die äußerst fruchtbare Zusam- menarbeit mit der bayerischen Akademie für Lehrerfortbildung Dillingen (Donau) ge- nannt. Vom 30. November bis 4. Dezember 1992 trafen erfahrene Schulspiel-Lehrer aus Bayern  und  frisch  agierende  sächsische  Lehrer  bei  Spiel  und  Diskussion  in  der Wachwitzer Königlichen Villa, dem damaligen Domizil der SALF, aufeinander. Im Okto- ber 1994 waren dann die sächsischen und bayerischen Lehrer in Dillingen zu Gast, um unterschiedliche Zugänge zu Goethes „Faust“ zu erproben. Noth unterstützte darüber hinaus entschieden Weichelts Wunsch, sich in einem zweijährigen berufsbegleitenden Lehrgang zur diplomierten Lehrerin für Darstellendes Spiel an der damaligen Berliner Hochschule der Künste ausbilden zu lassen.

Im folgenden Schuljahr 1993/1994 gab es zunächst zwei AG’s Darstellendes Spiel: In den Klassen 5-8 wurde Deutsch- und Geschichtslehrer Uwe Leonhardt einge- setzt, während für die Klassen 9 und 10 Weichelt zuständig war. Aufgrund der großen Schülerzahl und unterschiedlicher Projektideen teilte man letztere in zwei Gruppen auf: Während Weichelt mit der AG 9 (Kafka-Adaption „Mensch und Mensch – Beziehungen“) weitermachte, übernahm Magvas die Schüler der 10. Klassen (C. Goetz „Der Lampen- schirm“). Als Spielort wurde die Aula ausersehen, die bis zur Einrichtung eines eigenen Theaterraums bevorzugter Spielort blieb (und einige Jahre später als Alternative „wie- derentdeckt“ wurde). Nachdem die AG 9 ihre Ergebnisse schon im Sommer auf dem Stadtschülertheatertreffen im TJG vorstellen durfte, wurden beide Produktionen bei einem  Treffen  der  Traditionsschulen  Ostdeutschlands  am  Helmholtz-Gymnasium in Potsdam vom 7. bis 10. September 1994 auch außerhalb des Schulrahmens präsentiert. Im musischen Profil gipfelte die Arbeit in einer musikalisch-szenischen Aufführung der

„Weihnachtsgeschichte“ von Carl Orff und Gunild Keetman: Die in abstrakten Formen

gehaltene, von Oskar Schlemmers Triadischem Ballett inspirierte Weihnachtsgeschichte wurde mit einer modernen Rahmengeschichte verknüpft. Die Projekte des Schuljahres zeigten, dass zukünftig das musische Profil auf drei fachlichen Säulen Stabilität zu erzie- len vermochte: Musik, Kunst und Darstellendes Spiel.

„Die Spielverderber oder: Das Erbe der Narren“ (1994/95, Profil Kl. 9, Leitung: K. Weichelt)

 

1994/95 trat ein neuer Lehrplan für das musische Profil in Kraft, der der „unverzichtba- ren Dimension zeitgemäßer Allgemeinbildung sowie dem Bedürfnis vieler Eltern und Schüler nach einer erweiterten musischen Bildung und Erziehung“ (Lehrplan Musisches Profil 1994/95, S. 5) Rechnung trug. Nach diesem, deutlich am revidierten Hamburger Lehrplan für die Sekundarstufe I (1988) orientierten Curriculum entfiel bei vier Profil- stunden in den Klassenstufen 8-10 eine Stunde auf das Darstellende Spiel. Damit gehör- te das Fach nun ganz offiziell zum Profilunterricht. Da Magvas nach Abschluss seines Referendariats die Kreuzschule verlassen hatte, wurde der Unterricht in den AG’s und den Profilen durch Leonhardt und Weichelt abgedeckt. Mit der Offerte gelockt, einen Wahlgrundkurs Darstellendes Spiel für die Oberstufe zu etablieren, entwarf Weichelt auf Grundlage der Hamburger und Berliner Schultheaterlehrpläne einen Lehrplan für die Kreuzschule. Gemeinsam mit Deutsch- und Geschichtslehrer Detlef Körner begann sie

1995/96 den Plan mit dem neuen Grundkurs zu erproben, den Körner nach ihrem Weg- gang im Januar 1996 alleine weiterführte. Das Vorhaben wurde von Seiten des Kultus- ministeriums jedoch recht schnell wieder ad acta gelegt, so dass es ab dem Schuljahr

1996/97 lediglich eine AG Darstellendes Spiel im Oberstufenjahrgang gab, die der an die

Kreuzschule zurückgekehrte Kornél Magvas übernahm.

 

Das Darstellende Spiel in der Konsolidierungsphase

Die folgenden Schuljahre können als einer Phase der Festigung und vertieften Ausge- staltung beschrieben werden: Das Darstellende Spiel wurde in den Profilklassen 8-10 sowie in der Oberstufe mit zwei Theatergruppen unterrichtet. Dem erklärten Bildungs- ziel „das Gymnasium […] zu einem Ort der ganzheitlichen Lebenskultur und Sinnorien- tierung, eines spezifischen ästhetischen Schulklimas und einer alle Bereiche erfassenden Kreativität“ (Ebd.) werden zu lassen, eiferten die Kollegen aus Musik, Kunst und Darstel- lendem Spiel in den Profil-Dreier-Teams nach Kräften nach. Folgende Kollegen sind an dieser Stelle zu nennen: Für die Kunst Thomas Henke, Alrun Krauß und Gisela Pfeil; für Musik Günther Keucher und Helga Vollmer; für das Spiel Körner, Leonhardt und Mag- vas. Diese Zeit war von der großen Lust Neues auszuprobieren, von Suchen und Entde- cken geprägt. Nicht immer gelang eine ausgewogene Team-Arbeit; bisweilen konnten produktivere Ergebnisse im jeweiligen vertieften Fachunterricht erzielt werden, weil sowohl Erfahrungen der Lehrer als auch die Interessen und Fähigkeiten der Schüler nicht für alle drei Fächer in gleichem Maße vorhanden waren.

Theaterproduktionen traten unerachtet dessen weiterhin an die Öffentlichkeit, Weichelt hatte 1995 zum Elbhangfest Arbeitsergebnisse vorgestellt, Körner präsentierte zum Schultheatertreffen in Meißen im Herbst 1996 Etüden, Magvas zeigte mit Schülern der Oberstufen-AG zur Theateraktion des Staatsschauspiels Dresden „Offene Bühne. Zuschauer machen Theater!“ kleine Spielszenen (18. Januar 1998 – 2. Offene Bühne zum Thema „Spielen mit Bertolt! Brecht Euch keinen ab!“ im Kleinen Haus, 24. Januar

1999; die Teilnahme zur 3. Offenen Bühne zum Thema „Wehe, wenn sie losgelassen“ im Schauspielhaus erfolgte auf Eigeninitiative der Theaterschüler) und mit dem Profil 9 im TJG eine eigene Auseinandersetzung zur dortigen Inszenierung „Nach Hause 2: domoj“ von L. Rasumowskaja (Frühjahr 1999). Die Leitung der Fachschaft Darstellendes Spiel hatte von Januar 1996 bis 1997/98 Körner inne, zwischen 1998/99 und 2002/03 war Magvas Fachschaftsleiter.

Ein wichtiger Einschnitt bedeutete 1999/2000 die Einrichtung eines veritablen Theaterraums im ehemaligen Schwimmbad des Freimaurerinstituts, das in der DDR zu einer Sauna umfunktioniert und noch bis Anfang der 1990er Jahr zu diesem Zweck ge-

nutzt wurde.

 

Freimaurerinstitut, Bad. Das Badebecken links bildet heute die Bühne, Umkleide und Dusche wurden zum

Zuschauerraum des Theaterkellers (Aufnahme um 1910)

 

 

Umbauplan für den Theaterkeller durch den Architekten Wolfgang Schumann (1999)

 

Finanziert wurde der Umbau, den der Dresdner Architekt Wolfgang Schumann plante und betreute, durch den ehemaligen Kreuzschüler Gerard Arnhold. Dieser große Förde- rer (nicht nur) der Kreuzschule hat u.a. auch den Umbau des ehemaligen Speiseraums zur Schulbibliothek (heutige Informatikräume) bezahlt sowie seine Sammlung von Erst- ausgaben  und  bibliophilen  Kostbarkeiten  gespendet  (Vgl.  Lars  Weber:  „„Arnhold- Bibliothek“?!“, in: Jahrbuch des Ev. Kreuzgymnasiums Dresden, Jg. 2014/15, S. 25-29). Für  die Praxis eingeweiht wurde das „Theater im Keller“ – bald schon griffiger: der

„Theaterkeller“ – durch die „Szenen eines Jahrhunderts“ der AG DS 12 am 3./4. Februar 2000 – noch ohne fest installierte Musikanlage, Vorhänge und dazugehörige Bühnenpo- deste. Teile des Stücks zeigte die Theatergruppe open air am 4. Juni 2000 auf der Fes- tung Königstein als Begleitprogramm zum „Festival der Chöre“– eine enttäuschende Veranstaltung aufgrund eines unzumutbaren Spielorts im Nirgendwo und eines kaum vorhandenen Publikum. Der Theaterkeller avancierte in den folgenden Jahren zu einem zentralen Kraft-Raum des Theaterspiels nicht nur im Darstellenden Spiel, sondern auch als Teil des regulären Deutsch-, Sprach- und Geschichtsunterrichts.

 

 

Probenfoto „Kaspar. Ein Bürgerexperiment“ (2000/01, AG DS Jg. 11, Leitung: K. Magvas) im Theaterkeller

 

In Schuljahr 1999/2000 begann auch Deutsch- und Geschichtslehrerin Ulrike Christof ihre Tätigkeit an der Kreuzschule. Das Darstellende Spiel erhielt nicht nur durch die Erweiterung der Spielgruppen – hier mit einer AG in Klasse 5 – neue, erfrischende Im- pulse. Die Lust an optischer Fülle (in Bühnenbild, Kostüm, Maske) nahm zu, beispielhaft an der „Dreigroschenoper“ 2002/03 zu erleben, womit die Aula nach den Jahren im Theaterkeller als zweiter Spielort für größere Inszenierungen erneut etabliert wurde. Außerdem gerieten nichtschulische Spielstätten als Basis für das Inszenierungs-Konzept in das Blickfeld, wie es die Produktion „rübermachen“ 2008/09 über die DDR-Flucht im ehemaligen Dresdner Stasi-Untersuchungsgefängnis auf  der  Bautzner  Straße belegt. Zwischen 2003/04 und 2005/06 war Christof mit dem Amt des Fachschaftsleiters Dar- stellendes Spiel betraut.

 

Aus dem musischen wird das künstlerische Profil

Ab dem Schuljahr 2004/05 trat ein neuer, im Jahr 2005/06 nochmals modifizierter Lehr- plan für das Profil in Kraft: Das musische Profil hieß nun (und heißt bis heute) „künstleri- sches Profil“ und betonte laut Curriculum mit der „Vernetzung der Gestaltungsmittel und –prinzipien von Kunst, Musik und darstellendem Spiel“ (Lehrplan Künstlerisches Profil 2005, S. 3) noch stärker das Zusammenwirken der drei künstlerischen Schulfächer. Mit der Einbindung von Französisch- und Religionslehrerin Katja Reichel in den Schuljah- ren von 2003/04 bis 2008/09 gelang es, die Theaterarbeit vor allem in der Unterstufe zu stärken und zu intensivieren. Der neue Schwung trat 2004/05 zutage, als – bisher zum einzigen Mal – alle Produktionen in einer einzigen „Theaterwoche“ präsentiert werden konnten. Im Schuljahr 2006/07 sprang für Reichel Deutsch- und Musiklehrerin Sabine Reisener in der AG Klasse 5 ein. Ab 2006/07 übernahm erneut Magvas die Leitung der Fachschaft Darstellendes Spiel. Mit der zunehmenden Einbeziehung junger Kollegen reifte der Wunsch, lückenlos in jeder Klassenstufe – von Klasse 5 bis Jahrgang 12 – das Darstellende  Spiel  anbieten  zu  können.  Dies  gelang  zum  ersten  Mal  im  Schuljahr

2008/09, als Mathematik- und Englischlehrerin Franziska Just die AG 5 übernahm und die AG 7 von der freien Theaterpädagogin Kerstin Rothe – finanziert über das Ganztags- angebot an sächsischen allgemeinbildenden Schulen (GTA) – geleitet wurde. Als wichti- ger Baustein für das Selbstverständnis des Faches darf die Einrichtung eines am Ham- burger  Curriculum  angelehnten  fächerverbindenden Wahlgrundkurses Darstellendes Spiel im Schuljahr 2007/08 gelten, der zunächst für drei Schuljahre angelegt war, ab

2009/10 nach Evaluation und Wiederholungsantrag erneut für drei Jahre bewilligt wur- de und mittlerweile keiner weiteren Genehmigungspflicht mehr bedarf.

 

„Sommer im Neubaugebiet“ – Theater in Dresden-Prohlis

Die deutlich vertiefte Verankerung des Darstellenden Spiels im Unterrichtsangebot der Kreuzschule dieser Jahre ging einher mit einer vorübergehenden, aber eingreifenden Änderung im Schulbetrieb: Da zwischen Februar 2007 und August 2009 der angestamm- te Gebäudekomplex des Kreuzgymnasiums in Dresden-Striesen grundlegend saniert und durch Ausbau von Keller- und Dachgeschossen sowie der Neuerrichtung von Verbin- dungsbau, Sporthalle und Außenanlagen erweitert wurde, musste die Schule das Inte- rimsquartier einer unsanierten Schule aus der DDR-Zeit in Dresden-Prohlis beziehen.

 

 

 

„Molière und Mozart“ (2006/07, AG Kl. 6/7, Leitung: U. Christof)

 

Die Not erschwerter Lern- und Arbeitsbedingungen im Gebäude (kleine Räume, keine ausreichende  Lärm  und  Wärmedämmung,  unzureichende  Verdunklungsmöglichkeit) machten die Kollegen des Darstellenden Spiels zur Tugend, indem sie die existierenden Raumsituationen für Inszenierungen kreativ nutzten (z.B. der nicht überdachte Innenhof für die „Physiker“ 2008/09) oder die Lebensbedingungen und den baugeschichtlichen Hintergrund in einem Neubaugebiet aus DDR-Zeiten im Stück thematisierten (“¿wer hat angst vor stahl glas beton?“ 2007/08). Die Neugier auf andere Theatertraditionen, ge- paart mit der Lust die eigene Arbeit einem anderen Publikum vorzustellen, führte zu Bewerbungen bei Theaterfestivals. Nachdem es die leicht überarbeitete Produktion der AG 11/12 „Der Sonnenwagen oder Wie ein Auto funktionierte“ immerhin in die zweite Bewerbungsrunde des  „Theatertreffens der  Jugend“ 2007  geschafft hatte  (von  138

Bewerbungen in den Kreis der letzten 23), durfte der Grundkurs 11 mit “¿wer hat angst vor stahl glas beton?“ das Bundesland Sachsen beim Festival „Schultheater der Länder“ 2008 in Kassel (Motto: „Das Theater mit der Musik“) vertreten, nachdem sich die Produktion zuvor beim Landes-Schüler-Theatertreffen vom 2.-4. Mai 2008 (TJG Dresden) durchgesetzt hatte.

 

Nach der Generalsanierung und kurz vor der Zukunft

Mit dem Rückzug in die angestammten Schulgebäude in  Striesen ab dem Schuljahr

2009/10 blies durch den Theaterkeller wie durch die mit neuer Licht- und Tontechnik ausgestattete, gleichwohl hinsichtlich Verdunklung und  Handhabung nicht  optimale Aula ein frischer Theaterwind. Die großzügige Anschaffung von Bühnenpodesten sowie zusätzlicher mobiler Lichttechnik für Musik- und Theaterveranstaltungen gestattete es den Theaterlehrern neue und flexible Bühnen- und Zuschauerräume zu entwerfen, ob in der Sporthalle beim Musical „Der goldne Topf“ im Februar 2016 anlässlich der 800-Jahr- Feier von Kreuzkirche, -schule und –chor oder in den bisherigen zahlreichen Inszenie- rungen in der Schulaula.

 

 

Probenfoto „Der goldne Topf“ (2015/16, klassen-und kursübergreifend, Leitung: K. Magvas, V. Milde, D. Zöllner)

 

Weiterhin wirkte die Theaterarbeit auch über die Kreuzschule hinaus. Das Profil 9 zeigte Anfang Juni 2011 beim 33. Evangelischen Kirchentag in Dresden ihr Stück zum Thema Luxus “Diamonds are a girl’s best friend?”; „einsNeuneinsZwo“ des GK DS 11 (2011/12) wurde zur Festwoche anlässlich des 800-jährigen Bestehens von Thomasschule und – chor im Herbst 2012 nach Leipzig eingeladen. Mit „Mærchenstunde. Wo das Wünschen noch geholfen hat…“ hatte erneut ein GK DS 11 (2014/15) die Ehre, nach dem erfolg- reich absolvierten Zwischenausscheid beim Schülertheatertreffen Sachsen (24.-26. Juni 2015 im TJG Dresden) das Bundesland beim Festival Schultheater der Länder vertreten, das vom 20.-25. September 2015 unter dem Motto „Forschendes Theater“ gleichfalls in Dresden stattfand.

 

 

Teilnahmeurkunde für „Maerchenstunde“ (GK DS 11) SdL 2015

 

Für Just übernahm im Schuljahr 2010/11 Kunst- und Deutschlehrerin Marit Heuß die Theaterarbeit in Klasse 5. Im Jahr 2011/12 konnte als neuer Kollege im Darstellenden Spiel Deutsch- und Lateinlehrer Hendrik Felber gewonnen werden, der das Profil Kl. 8 leitete und seit anderthalb Jahren in der Oberstufe tätig ist. Durch GTA-Gelder finanziert arbeiteten mit Bea Wuttke und Morton Gensch zwei freie Theaterpädagogen in den AG’s in Klasse 5 bzw. 6/7. Genschs Gruppe übernahm im darauffolgenden Schuljahr zusätzlich Wuttke, die in den Klassen 5-7 bis einschließlich Schuljahr 2015/16 tätig blieb. Der Weggang von Christof Ende des Schuljahres 2012/13 riss eine Lücke, die durch die Aufnahme der Tätigkeit 2013/14 von Deutsch- und Gemeinschaftskundelehrer Robert Rothmann wieder geschlossen werden konnte. Für die AG in der Unterstufe ist zurzeit der Theaterpädagoge Benjamin Graul zuständig. Anlässlich der Jubiläumsfeier von 800 Jahren Kreuzkirche, -schule und –chor 2016 fanden mehrere Produktionen großen Wi- derhall: Als umfangreichstes Unternehmen muss unser Musicalisches Märchen „Der goldne Topf“ mit über 150 beteiligten Schülern (Schauspieler, Tänzer, Sänger als Solis- ten und im Chor, Instrumentalisten) angeführt werden, das im Februar 2016 an drei Abenden mehr als 1.000 Zuschauer in die Schulsporthalle lockte. „fluchtpunkt“ (Profil10) und „Dornen.Blüten.Stücke“ (GK DS 11), aufgeführt u.a. im „Mauersbergersaal“ des „Hauses der Kirche“ in der Dresdner Innenstadt gehörten ebenso dazu wie „fünfmalzweimalsinn“ (GK DS 12) in der Aula der Kreuzschule.

Im Jahr 2018 wurde die Produktion „Wer nichts zu verbergen hat…“ des DS 9 unter Leitung von Robert Rothmann sowohl zu den Schultheatertagen Sachsen nach Chemnitz (6.-9. Juni 2018) eingeladen, als auch zum Festival Schultheater der Länder nach Kiel (16.-22. September) als Vertreter des Bundeslandes Sachsen.

Und wie geht es weiter? Ein wichtiges Ziel bleibt es, die Tätigkeit im Darstellen- den Spiel an der Kreuzschule wieder vollständig in die Hände der am Haus tätigen Gymnasiallehrer zu legen. Dazu ist es notwendig, weitere Kollegen für die arbeitsintensive, aber künstlerisch und pädagogisch oft befriedigende Theaterarbeit zu gewinnen. Ab dem Schuljahr 2017/18 wird voraussichtlich Deutsch- und Kunstlehrerin Saskia Winkel im Profilunterricht des Darstellenden Spiels tätig werden. Andere Kollegen haben ihre Bereitschaft signalisiert, über kurz oder lang das Darstellende Spiel zu bereichern.

Einige Dankesworte zum Schluss: Wir Lehrer des Darstellenden Spiels erinnern uns in Dankbarkeit an Stephan Noth (1943-2014), der als Schulleiter von 1991-2004 die Einrichtung und Entwicklung des Faches Darstellendes Spiel an der Kreuzschule auf nachhaltige Weise befördert hat. Danken möchte der Autor des Beitrags im Namen seiner Kollegen auch Schulleiterin Gabriele Füllkrug für ihr stetes Theaterinteresse und die kontinuierliche Unterstützung des Faches an der Kreuzschule.

Für die Hilfsbereitschaft beim Sichten und Zusammentragen der Quellen sei im besonderen Maße den ehemaligen und aktuellen Kollegen aus dem musischen bzw. künstlerischen Profil gedankt: Ulrike Christof, Hendrik Felber, Kathrin Furmanek, Kathrin Höhnel, Günther Keucher, Detlef Körner, Uwe Leonhardt, Volker Milde, Katja Reichel und Robert Rothmann. Für ihre Texte und die zur Verfügung gestellten Fotos gilt der Dank Christoph Ackermann, Paul Berberich, Felix Büttner, Ulrike Christof, Hendrik Fel- ber, Lucas Garte, Kati Golbing, Svea Haugwitz, Dr. Stefan Jeanjour, Leonid von Keyser- lingk, Detlef Körner, Susanne Möschner, Conrad Nicklisch, Cornelia Oswald, Konrad Preuß, Edna Ressel, Robert Rothmann, Karl Schiebe, Walter Wessel und Kay-Michael Würzner.

Schließlich  sei  Annett  Schmerler,  der  zuständigen  Mitarbeiterin  für  das  Archiv  des Dresdner Kreuzchores und des Evangelischen Kreuzgymnasiums Dresden, für ihre Un- terstützung bei der Recherche ein herzliches Dankeschön ausgesprochen.

 

Dr. Kornél Magvas, Fachschaftsleiter Darstellendes Spiel

 

Anmerkung: Eine deutsche Gesamtdarstellung bezüglich des Darstellenden Spiels als Schulfach bildet bislang ein Desiderat. Wichtige Hinweise verdankt der Autor: Ulrich Hesse, Vom Schulbühnenspiel zum Schulfach. Die Geschichte der Integration darstellenden Spiels in der Schule am Beispiel Hamburgs, Milow 2005.