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Evangelisches Kreuzgymnasium

Allgemein

Spielraum – Brief der Schulpfarrerin zur Passionszeit

08.03.2021

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern, liebes Kollegium, liebe Mitarbeitende,

„Ich grüße mich mittlerweile freundlich…

Dieser Satz enthält keinen Schreibfehler. Er ist ein Vorschlag.

Jede Online-Unterrichtsstunde beginnt mit der Begrüßung und der damit verbundenen Frage, ob alle Mikros funktionieren. Aber etwas fehlt mir bei dieser Art des Grüßens: Es ist der Blickkontakt. Aus Rücksicht auf Datenmenge und Internet-Qualität sind die Kameras ausgeschaltet. Und ich ertappe mich bei der Frage, wer „J2“ und „MK“ ist oder welche*r Schüler*in sich hinter dem Bild der Pilotenkanzel oder der E-Gitarre verbirgt.

Es ist gut, dass wir den Kontakt zueinander aufrechterhalten können. Trotzdem empfinden viele von uns die letzten Monate und den Ausblick auf die kommende Zeit als anstrengend. Verstärkt wird dieses Gefühl immer dann, wenn die Technik streikt, die Bewegung fehlt und Pläne schnell wieder überholt sind.

Deshalb schlage ich Euch und Ihnen vor, dass wir uns selbst und anderen in dieser Zeit eine wohltuende Freundlichkeit gönnen! Wer zu sich selbst freundlich ist, hat es leichter, andere daran teilhaben zu lassen.

Gerade jetzt! Das hat nichts mit dem erwachenden Frühling zu tun oder mit geöffneten Gartenmärkten. Der Grund für diese Freundlichkeit kann die Herausforderung sein, in der Passionszeit ehrlich auf das eigene Leben zu schauen. In diesen Wochen versuchen Christen, gedanklich den Weg von Jesus zu begleiten. Sieben Wochen lang dauert diese Zeit der Besinnung und Vorbereitung auf das Auferstehungs-, das Osterfest.

Die Evangelische Kirche in Deutschland gibt dieser besonders intensiven Zeit in jedem Jahr eine Überschrift. In diesem Jahr heißt die Aktion „Spielraum! – Sieben Wochen ohne Blockaden“.

„Spielraum“ klingt nach Leichtigkeit und einem großzügigen Blick auf meine Mitmenschen und mich selbst. Darin schwingt Freiheit mit und die damit verbundene Fähigkeit, die Perspektive zu wechseln. Wer Spielräume sieht, entscheidet sich dafür, etwas zu gestalten und Möglichkeiten für das gemeinsame Leben zu öffnen. Wer heute „öffnen“ hört, denkt an Bildung, Kultur, Sport, Reisen, Genuss und Handel. Den Hinweis auf fehlende Spielräume aufgrund der Testzahlen buchstabieren wir seit einem Jahr durch. Doch die „Sieben Wochen ohne Blockaden“ fragen nicht zuerst nach dem, was andere machen, sondern nach uns selbst.

Ich habe einige Fragen gesammelt, die jede*r für sich beantworten kann:

Welche Spielräume habe ich persönlich? Wo darf ich mir mehr kreative Freiheit zutrauen? An welchen Stellen kann ein freundliches „Nein“ hilfreich sein? Und wo blockiere ich mich und andere, um Recht zu haben? An welchen Stellen hilft die Beweglichkeit in Gedanken und im Reden?

Ich wünsche Euch und Ihnen „inneren Spielraum“ bei der Beantwortung dieser Fragen. Und nicht zuletzt die freundliche Sicht auf sich selbst, die sagt:

„Ich grüße mich mittlerweile freundlich, wenn ich mir selbst im Weg stehe. Ist ja nicht das erste Treffen.“ (unbekannt)

In Verbundenheit grüßt Euch und Sie Pfarrerin Beate Damm

 

Gerne bin ich ansprechbar für Gespräch und Beratung:  beate.damm@kreuzgymnasium.de

robertrothmann

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